Sonntag, 20. Januar 2013

Der ehemalige Wasserturm



Liebe User,

ich möchte meine Gedanken heute einem weiteren tollen Gebäude in Templin widmen, welches auch bei dem einen oder anderen vielleicht  Erinnerungen von einer lange vergessenen Zeit wach werden lässt. Es geht heute um den ehemaligen Wasserturm. Dieses Bauwerk wurde im Jahr 1900 fertiggestellt und befindet sich seit 1921 im Besitz der Stadt. Ich habe für euch einmal das Internet durchsucht und bin auf ein Bild einer sehr alten Ansichtskarte gestoßen, die den Wasserturm noch mit Kuppel zeigt (Blickrichtung vom Freundschaftsstadion).


Zur Zeit der DDR wurde dieses Objekt als Wasserwerk und als Gaststätte genutzt. Viele Menschen die mir aus dieser Zeit berichten blicken mit einer gewissen Romantik auf diesen schönen Biergarten zurück und wünschen sich nichts lieber, als dass doch endlich etwas mit dem „Wasserturm“ passieren solle. Wenn ich dieses Objekt nüchtern betrachte stellt sich mir sofort folgende Frage: Warum hat sich dieses Objekt überhaupt so negativ entwickelt? Ich sehe vor mir ein Objekt welches sich in einer sehr guten Ausgangssituation befindet. Direkte Parkmöglichkeiten, sehr gut sichtbar und auffällig an einer Hauptstraße gelegen und auch das Stadion der Freundschaft, das Strandbad und ein sehr gut ausgebauter Radweg bilden für mich eine sehr solide Grundlage für einen solchen Betrieb. Die Historie die aus diesem Gebäude spricht und der Status in der Bevölkerung sind ebenfalls nicht zu verachten. Ich habe also keine wirkliche Antwort auf diese Frage. Leider bin ich auch noch etwas zu jung um die letzten 20 Jahre der Entwicklung überblicken zu können.

Stand der Dinge

Der Wasserturm steht immer noch im Besitz der Stadt und modert vor sich hin. Seit etwa 20 Jahren hat keine wirkliche Nutzung mehr stattgefunden. Zwischendurch war für kurze Zeit einmal wieder ein Restaurant dort beheimatet aber es hielt sich, glaube ich, weniger als ein Jahr. Das Gebäude sieht von außen veraltet aus. Die Sanitäranlagen und die Fenster scheinen noch aus Zeiten des Staatsozialismus zu stammen. Die Bausubstanz macht allerdings auf mich als Laie einen soliden Eindruck.


Ein Kaufinteressent wurde im letzten Jahr von der Stadt abgelehnt, weil er zu wenig Geld für das Objekt bot. Nach langer Internetrecherche entdeckte ich, dass die Stadt 60.000 Euro für das Gebäude mit Grundstück haben möchte. Gut, darüber kann man sich streiten. Aber erst einmal kein Grund für Kritik. Das Problem ist, dass nicht für dieses Filetstück geworben wird. Nicht einmal auf der offiziellen Seite der Stadt! Woher sollen denn Investoren von einer solchen Immobilie wissen? Von dem Blick in die Sterne?

Meine Gedanken

Ich beschäftige mich schon länger mit diesem Thema. Der ehemalige Wasserturm hat für mich persönlich eine sehr hohe Bedeutung. Ich kenne ihn aus meiner Kindheit und habe mir schon als sehr kleiner Junge Träume darüber ausgesponnen. Ich glaube auf jeden Fall, dass eine gastronomische Nutzung sich lohnen würde aufgrund der schon im ersten Teil genannten Gründe. Meine Vorstellungen gehen dahin, dass ich mich am liebsten für eine gemischte Nutzung zwischen einem Privatbetreiber und der Stadt aussprechen würde.  Der Wasserturm soll zu neuem Leben erweckt werden. Im unteren Teil soll weiterhin eine Gaststätte mit Biergarten tätig sein und die zerstörte Kuppel soll durch eine gläserne Aussichtsplattform in Form einer Kuppel ersetzt werden. Die Kosten für die Renovierung werden geteilt mit dem Investor getragen oder komplett von der Kommune übernommen und die Stadt kann mit der Aussichtsplattform (und gegebenenfalls der Miete aus dem Gastronomiebetrieb) auch den ein oder anderen Euro dazuverdienen und somit die entstandenen Kosten wieder reinholen. Ein statisches Problem könnte die leichte Schrägstellung (ca. 5°) sein welche durch die Bombardierung im 2. Weltkrieg entstanden ist. Dieses Objekt würde aber damit zu einem Symbol für die Stadt Templin und somit auf vielen Ansichtskarten abgelichtet werden. Somit glaube ich fest an einen schlummernden Riesen und hoffe auf Bewegung in diesem Jahr. Der Bürgermeister hat uns ja bei seiner Wahl versprochen, dass dort etwas passiert.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und der ddp maximalen Erfolg bei der Landtagswahl in Niedersachsen.

Grüße euer Robert ;)

Quellen:

Kommentare:

  1. Hallo Robert,

    sehr nette Gedanken, doch hier wurden Variablen außer Acht gelassen.

    Abgesehen vom Denkmalschutz, somit kein entsprechender, oder lediglich mit sehr erheblichen Mehrkosten verbundener Aufwand, ist die Anlage nicht einfach "nur" baufällig, sondern bedingt, zumindest die Treppen respektive die Zugänge ab dem 1. OG, als einsturzgefährdet anzusehen.

    In Anbetracht des weiteren Zustandes ist eine Sanierung nicht nur sehr, sehr teuer, die Anforderungen an die Wiederherstellung, hier wegen dem Denkmalschutz, lassen die Kosten ins Unermessliche steigen.

    Meiner Erinnerung nach gabs hierzu im Winter 2010/2011 eine Begehung seitens der Stadt mit einem Sachverständigen zur vorläufigen Bestands- und Wertermittlung.

    Das Ergebnis dessen ist mir nicht bekannt, wird sicherlich jedoch gewesen sein, dass dieses Objekt wirtschaftlich nicht verwertbar für die Stadt ist.

    Eine Veräußerung an Investoren war meiner Erinnerung nach angedacht. Aus Erfahrung gehe ich jedoch davon aus, dass die Stadt sich selbst wieder aufgrund vielzähliger städtebaulicher, gemeindebezogener, nutzungsbeschränkter und gestaltungstechnischer Vorschriften selbst die Beine stellt, was zur Folge hat, dass Investoren ein riesen Bogen machen.

    Das größte Problem ist, dass die Stadt über alles hoheitlich entscheiden, nichts investieren und keine Kompromisse eingehen will, siehe auch das Stadtcenter in der Lychener Straße.
    Wenn die Stadt die Möglichkeit hätte, würde sie vorschreiben wollen, ob an einem Obstladen oder ein Bio-Obstladen bzw. ein Verwaltungs- oder Vermarktungsbüro vermietet werden müsste.

    BTT: Lösungsvorschlag:

    Teilsanierung des Objektes. Finanzierung respektive Refinanzierung durch anschließende Veräußerung. Auflagen strikt auf ein Vorkaufsrecht bei weiter Veräußerung, sofern es kaufvertraglich nicht durch das "Negativzeugnis" bzw. Zeugnis abgesichert ist, laufende Instandhaltung und Instandsetzung gemäß einem Leistungsplan - mit Hilfe von Vertragsstrafen, hier bspw. Zwangsenteignung bei Verfall sichern und gastronomischer Nutzung beschränken.

    Das benötigt selbstverständlich ein umfangreiches Konzept und einer juristischen Prüfung.

    Die Veräußerung würde somit, aufgrund der Sanierung, einer Schenkung gleichkommen. Solche Ruinen werden m. E., unabhängig der für die Templiner Verhältnisse gute Lage und der Historie, eh für 1,00 EUR verkauft, somit eine Schenkung.

    Jedoch hätte dieses Objekt dann eine Perspektive und die Stadt eine "stinkende Leiche" weniger.
    Abgesehen davon, drückt auch ein leer stehendes Grundstück/Gebäude dem kommunalen Haushalt auf die Geldbörse.

    Wie ich finde, zumindest eine zielführende Variante.

    Btw: Sehr netter Artikel, abgesehen vom Konzept voll deiner Meinung, insbesondere hinsichtlich der Akquise.

    M. N.

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  2. Hallo,

    ich finde dieses Kommentar sehr, sehr gut! Da die Sichtbarkeit hier im Blog noch nicht optimal funktioniert werde ich das Kommentar noch einmal als Extrabeitrag einstellen, damit es die Aufmerksamkeit bekommt die es verdient.

    Grüße Robert

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